Bauernhof-Tour

Wir stellen den Teilnehmern der Bauernhoftour die bergische Landwirtschaft vor: Mit dem Planwagen geht es zu verschiedenen Betrieben der Region, die besichtigt werden. Die landwirtschaftlichen Produkte, die dort erzeugt werden, kommen beim abschießenden Picknick auf den Tisch...

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Mit dem Planwagen zu verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben der Region? Die Bauernhoftour macht’s möglich! Was Sie dabei erleben können, können Sie im Text aus dem Magazin auslese rhein&berg (Ausgabe 30, Juni 2011) nachlesen:

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Silke Junick meint es nur gut, als sie auf den wunderbaren Ausblick auf den Altenberger Dom gleich hinter der Kehre hinweist. „Ich dachte, es wären vielleicht auch Teilnehmer von außerhalb mit dabei“, quittiert die Diplom-Geologin das wissende Lächeln, das ihr aus dem Planwagen entgegenschlägt. Tatsächlich: Warum sollte die einheimische Bevölkerung sich aufmachen zu einer Bauernhoftour? Ist Kühemelken nicht eher was für Städter? Nicht, wenn Markus Wißkirchen den Ausflug organisiert. Denn dann wird die Sieben-Stunden-Tour nicht nur hochinteressant, sondern auch noch äußerst amüsant.

Bauernhoftour-8-Lawrenz-Qualitaeter_Wißkirchen_Hotel-Restaurant_Cafe_Altenberg_OdenthalDer Blick von Markus Wißkirchen wandert durch den Innenhof des Kochshofes. Genau so hat er sich das vorgestellt. Müde und erschöpft, aber erfüllt von Eindrücken und einem deftigen Jausenbüfett sitzen die 45 Teilnehmer der Bauernhoftour, seiner Tour, unter freiem Himmel beisammen. Umrandet von der schmucken Fachwerkremise, dem original bergischen Backhaus, hier „Backes“ genannt, im Rücken den Kochshof mit seinem Sängersaal. In der Hand ein naturtrübes Odenthaler Bier. „Wir haben auch noch ein paar Schälchen dort hingestellt. Wenn also was von der Wurst übrig bleibt, nehmen Sie es für morgen mit. Oder ein Stück vom Streuselkuchen?“ 35 Euro hat die Tour gekostet. Seit fünf Jahren bietet sie der Chef des bekannten Altenberger Hotels und Restaurants an, zunächst öffentlich, in den letzten Jahren nur auf Anfrage von Firmen oder Vereinen. Jetzt soll das Angebot wieder regelmäßig zu Höfen und Kollegen des 44-Jährigen führen. Denn Wißkirchen ist nicht nur Gastronom, sondern auch Diplom-Ingenieur der Landmaschinentechnik – und Tierwirt.

Dass dies seine große Liebe ist, wird den Teilnehmern schon nach einem knappen Kilometer Fahrt klar: Nach dem Start im Odenthaler Ort Hüttchen ist der erste Hof mit zwei Traktoren und frisch renovierten Planwagen schnell erreicht. Freerk Buse und Sylvia Schroers warten auf dem Hof Großgrimberg schon auf die Gäste. Vor drei Jahren haben sie sich für das Leben zwischen, mit und für die Kühe entschieden. Die bunt gescheckte Toscana, von Markus Wißkirchen schnell zur bergischen „Tosca“ umgetauft, steht bereit, sich melken zu lassen. Und während die Milch von Kinderhänden direkt aus dem Euter in die Becher gedrückt wird, erzählt Freerk Buse vom wahren Leben auf dem Hof, von dem die Brüsseler Quoten so weit entfernt sind. „Wir versuchen, unsere Kühe möglichst lange zu halten“, und wenn sie keine Milch mehr geben und zum Schlachter gebracht würden, „dann ist das für uns schon etwas anderes als vielleicht für den Schweinezüchter, der tausend Tiere hat. Ich kenne hier jede Kuh mit Namen.“ Auch wenn dieser für die Besucher auch mal kurzfristig regionalisiert wurde. Aus der Region, genauer gesagt vom Thomashof in Burscheid, hat Veronika Körner Käse mitgebracht. Sie ist die Assistentin von Markus Wißkirchen und – wie praktisch! – staatlich geprüfte Landwirtin. Während die Hofbewohner also noch über die Entwicklung und Zukunft des Melkvorganges Auskunft geben, probieren die ersten Gäste schon die bergischen Käsespezialitäten. Dazu etwas Tafelspitz mit Apfelmeerrettich gefällig? Allzu viel Zeit bleibt aber nicht, den Hof zu besichtigen, der einer der wenigen bewirtschafteten oberhalb des steilen Bergrückens des Dhünntals ist. Elf seien es einst in direkter Nachbarschaft gewesen, erklärt David Bosbach. Als Verantwortlicher in Sachen Tourismus bei der Gemeinde Odenthal hat der Historiker viel zu erzählen zur Geschichte der Höfe. Dass auch er auf der Tour mit dabei ist – selbstverständlich. Die Gemeinde lebt vom Tourismus und die darin Engagierten halten zusammen.

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Festhalten ist bei der Weiterfahrt oberstes Gebot, denn die beiden Gespanne fahren in einer Schleife auf Waldwegen weiter. „Seit der Schweinepest dürfen wir in keinen Schweinestall mehr rein“, bedauert Markus Wißkirchen und weil just an diesem Sonntag das Forsthaus „Oberhortenbach“ Hundehalter zum großen Treffen eingeladen hat, musste der Gastronom improvisieren. Dort präsentiert sonst schon mal der Sayn-Wittgenstein‘sche Förster Artz seine Wildprodukte und erläutert alles über „Wald und Wild“. Dieses Mal wartet Walter Bosbach an der kleinen Brücke über die Dhünn. Von ihm erfährt die Gruppe viel über das, was tagsüber zwischen Schöllerhof und Talsperre kaum mehr zu sehen ist. „Wir haben hier einen so hohen Besucherdruck – von den Joggern in den frühen Morgenstunden bis zu den vielen Wandertouristen – dass unser Wild nachtaktiv werden musste.“ Rotwild, Damwild, Schwarzwild. „Und Fallwild“, wie der passionierte Jäger anmerkt, als sich ein Mountainbiker just vor der Gruppe auf die Nase legt. Die mitgebrachte Wildschweinsalami entführt David Bosbach vor dem Verteilen einige Meter bergauf, damit die Gruppe während der Verkostung auch den Blick auf – und die Historie von – Maria in der Aue genießen kann.

Für Klaus Stöcker in Emminghausen sind die Bauernhoftourer bereits die zweite Besuchergruppe des Tages. Denn die Exemplare seiner züchterischen Aktivitäten sind im Bergischen noch Exoten. Vor ein paar tausend Jahren habe es Strauße in Europa quasi auf der Durchreise schon einmal gegeben; heute zieht die Spezies Neugierige auf die Straußenfarm zwischen Dabringhausen und Wermelskirchen. „Wir sind gerade dabei, neue Ställe zu bauen. Denn das Ziel sind 200 Schlachtungen pro Jahr.“ Stöcker, im Hauptberuf Chef eines Metall verarbeitenden Betriebes, steht mitten im Gehege, umringt und überragt von mehreren seiner Tiere, die unentwegt an seiner hochgestreckten Hand rumpicken. An diesen Schmerz gewöhne man sich. Und ja: Da bildet sich Hornhaut. Der Respekt der Besucher vor den neugierigen Tieren ist so greifbar wie ihre weichen Federn. Wenn es noch eines Hinweises bedurft hätte, dass das Betreten der Gehege alles andere als ungefährlich ist, reicht die Frage des Straußenchefs, wer den Kampf zwischen Löwe und Strauß gewinnen würde sowie ein Blick auf die kräftigen Krallen der Füße. Aber Herdenchef Einstein und seine Hühnerdamen sind nicht als Schauobjekte in Emminghausen. Ihr Fleisch ist schmackhaft und mager, es erfreut sich daher zunehmender Beliebtheit bei gesundheitsbewussten Essern. Die gelebte Nähe des Züchters zu seinen Tieren hilft  auch bei der Schlachtung, die ein mobiler Metzger direkt am Hof vornimmt. „Ich habe die Tiere vom ersten bis zum letzten Atemzug in der Hand – und da kommt auch kein anderer dran!“, sagt Klaus Stöcker mit der gleichen Bestimmtheit, mit der er den Blick in die Straußennester gestattet, den Zutritt aber streng untersagt. Fast zärtlich dann wieder das Wasserspiel auf dem Weg zum Hofladen: Strauße lieben es, gebadet zu werden. Plötzlich muss dann doch alles ganz schnell gehen: Es beginnt zu regnen, die Besucher wollen nicht nass werden und die wenige Tage alten Jungtiere müssen schleunigst in den Stall: „Sie vertragen das Klopfen des Regens auf den Schädel nicht, strecken den Kopf deshalb nach oben und das Wasser läuft ihnen in die Nase!“ Von wegen den Kopf in den Sand stecken: Die Strauße ertrinken so.

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Selbst Reiner Schwarzenthal auf dem 30 PS starken „Güldner“, Baujahr 1963, lässt sich von dem Sommerregen die Laune auf der Fahrt durch Burscheid nicht verderben. Auch wenn die Freiluftplätze neben dem engagierten Oberodenthaler plötzlich leer bleiben, weil sich seine Mitfahrerinnen schleunigst unter die Plane gerettet haben. Entlohnt wird er an der Lambertsmühle mit Äpfeln in fester und flüssiger Form. Dabei ist das schmucke Baudenkmal unterhalb der Burscheider und Leichlinger Obstfelder auf ein ganz anderes Lebensmittel spezialisiert: „Vom Korn zum Brot“ soll das dort entstehende Museum die Mühlengeschichte erzählen. Für die Besucher übernimmt das Armin Busch vom dortigen Förderverein. Die Führung durch das Ensemble aus vier Gebäuden ist der letzte Stopp der Tour, die dann im Kochshof bei Speis und Trank endet. Seit 1987 Eigentum des Zugvogel deutscher Fahrtenbund haben die Sänger das Gehöft nicht nur vor Abriss und Verfall bewahrt, sondern dem Bergischen Land ein besonderes Schmuckstück hinterlassen. „Wenn das gewerblich genutzt werden dürfte, wären hier jedes Wochenende Hochzeiten“, ist sich Gastronom Wißkirchen sicher.

Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsre weit und breit.

Recht hat er, der bergische Dichter Anton Wilhelm von Zuccalmaglio. Und gesungen wurde sein bekanntes Volkslied hier in Odenthal wohl schon sehr oft.

Klaus Lawrenz